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„Das Bild hat seine Gesundheit ruiniert“, sagte Brigitte Tübke-Schellenberger. Für ihren 2004 verstorbenen Mann, den Leipziger Maler Werner Tübke, war es der Auftrag seines Lebens. Auf 1800 Quadratmetern durfte er hoch über Bad Frankenhausen eine ganze Epoche nach seinem Gusto inszenieren, den Übergang vom Mittelalter in die Neuzeit. Bis zu 10 Stunden täglich stand der Professor in der Rotunde auf dem Gerüst - über drei
Jahre lang.
Am 16. Oktober 1987 signierte er vor laufenden Kameras das Monumentalgemälde „Frühbürgerliche Revolution in Deutschland“ und sagte: „Die Zeit des Leidens ist zu Ende.“ Für Publikum und
Kunstkritik war ein Jahrhundertwerk geboren. Seit 30 Jahren kann es nun betrachtet werden und zählte seither Millionen Besucher.
Tübke war nicht die erste Wahl für das wichtigste Kunstprojekt der DDR. Andere hatten vor ihm abgewinkt. Zu groß war die Gefahr, mit einem 123 Meter langen und 14 Meter hohen Gemälde zum deutschen Bauernkrieg zu scheitern. Das DDR-Kulturministerium machte großen Druck, die Rotunde war im Bau, der 450. Jahrestag der Schlacht von Bad Frankenhausen und der 500. Geburtstag Thomas Müntzers rückten näher.
Tübke war für die SED-Granden Rettung und Fluch zugleich. Sein Wahlspruch war immer „l‘art pour l‘art“, Kunst allein um der Kunst willen. Und das hieß für ihn: kein Schlachtenpanorama mit heroischen Bauern nach sowjetischem Vorbild, keine Verklärung der „frühbürgerlichen Revolution“ als Vorläuferin des Sozialismus.
Autor Daniel Baumbach hat über 50 Stunden
Archivmaterial ausgewertet, Zeitzeugen interviewt und noch nie erzählte Geschichten gefunden.
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