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Überall in Europa explodieren die Preise. Überall? Nein, auf einem polnischen Markt an der Grenze zu Deutschland trotzen die Händler der Inflation und Krise. Der Markt von ??knica ist ein Paradies für deutsche Schnäppchenjäger. Zigaretten, Benzin, gefälschte Markenkleidung, polnische Lebensmittel, Gardinen und Haarschnitte - auf dem Billigbasar herrscht nur das Gesetz der gnadenlos niedrigen Preise. Aber diese können die Händler nur unter größter Selbstausbeutung halten. Wie lange schaffen sie das noch?
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Wenn Iwona Sa?a?dziak und Aneta Lach morgens um acht ihren winzigen Friseurladen aufschließen, warten schon die ersten Kunden. Dann schneiden sie meistens wortlos und im Akkord die Haare der Deutschen, die zum billigen Tanken und Einkaufen auf den Markt von ??knica kommen. Ein Haarschnitt kostet hier gut die Hälfte weniger als jenseits der Neiße. Schon seit vielen Jahren ist der Markt für seine Kampfpreise berühmt. Erhöhen können die beiden Polinnen ihre Preise nicht. Im Gegenteil: Manche Deutsche versuchen sogar noch zu feilschen. „Sie verstehen einfach nicht“, sagt Iwona und zuckt mit den Schultern, „dass unsere Preise doch auch gestiegen sind.“
Die Inflation in Polen liegt bei 16 Prozent - deutlich höher als in Deutschland. Aber auf dem Markt von ??knica darf davon nichts zu spüren sein. „Alles dreht sich hier um den Preis“, sagt auch Beata Oberhoffner, die Lebensmittel verkauft. Doch die Geschäfte laufen derzeit schleppend - mit einer Ausnahme: Polnische Butter tragen ihre deutschen Kunden gleich im 30er-Pack weg. Beatas Gewinnmargen sind dabei mickrig. Um zu überleben, arbeitet sie sieben Tage die Woche, fährt morgens schon um vier Uhr zum Großmarkt.
Ein ähnliches Bild bietet sich am Gardinenstand von Jadwiga Pawlikowska. Die 67-Jährige sehnt sich die Rente herbei, stattdessen näht sie zu einem Kampfpreis Gardinen. Im Eiltempo, länger als eine Stunde will niemand warten. Der Billigbasar von ??knica ist ein ebenso faszinierender wie bedrückender Mikrokosmos, in dem die polnischen Marktfrauen jeden Tag um die Euros der Deutschen kämpfen.
(Die Texte datieren von 2023, dem Produktionsjahr des Programms.)
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