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Zehntausende Menschen protestierten in Georgien 2024, die Regierung setzte Wasserwerfer ein. BBC-Recherchen zeigen nun, dass das Wasser mit einer chemischen Substanz angereichert worden war. Chemiewaffenexperten gehen davon aus, dass es sich wahrscheinlich um eine Substanz handelt, die erstmals 1918 von französischen Streitkräften gegen die deutsche Armee eingesetzt wurde.
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Eine Recherche der BBC hat aufgedeckt, dass die Polizei in Georgien während der Proteste in Tiflis vom Herbst 2024 in ihren Wasserwerfern wahrscheinlich eine chemische Substanz aus dem Ersten Weltkrieg eingesetzt hat. Laut Toxikologen und Chemiewaffenexperten handelt es sich dabei wahrscheinlich um Brombenzylcyanid - in Militärkreisen auch „Camite“ genannt. Die Substanz wurde erstmals 1918 von den französischen Streitkräften gegen die deutsche Armee eingesetzt. Die georgischen Behörden bestreiten die Vorwürfe.
Kinderarzt und Aktivist Dr. Konstantin Chakhunashvili berichtet in der Dokumentation, dass selbst kleine Spritzer aus den Wasserwerfern seine Haut verbrannten und es Tage dauerte, bis die Substanz abgewaschen war. Darum führte er eine Studie mit rund 350 Demonstranten durch. Das Ergebnis: fast die Hälfte der Teilnehmer litt mehr als 30 Tage unter Husten und Atemnot. In einigen Fällen wurden Veränderungen an Herz und Lunge festgestellt.
Whistleblower, die früher bei der georgischen Bereitschaftspolizei tätig waren, halfen dabei, die verwendeten chemischen Substanzen zu ermitteln. Ein ehemaliges Mitglied der Bereitschaftspolizei berichtet, dass er während seiner Dienstzeit eine Mischung aus zwei Chemikalien in Wasserwerfern testen sollte, die er als viel stärker als Tränengas beschrieb.
Die Regierungspartei „Georgischer Traum“ wies die Recherche als „völlig unseriös“ und „absurd“ zurück und erklärte, die Strafverfolgungsbehörden hätten „im Rahmen des Gesetzes und der Verfassung“ gehandelt, als sie auf die „illegalen Handlungen brutaler Krimineller“ reagierten.
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